„Un dor wisst du bugen...?“

„Und dort willst Du bauen?“ - aus der Geschichte des Hotels „Westfalia“

Frieda Rusch, Ururgroßmutter von Jens Nissen, des jetzigen Inhabers des Hotels „Westfalia“ in Kühlungsborn, hielt ihrem Gatten Max Rusch, der zu Hause mit einer Grippe zu Bette lag, einen mit Eis befrorenen Tannenzweig unter die Nase, den sie von einem winterlichen Strandspaziergang an der Ostsee 1903 mit nach Hause brachte. Aber alle Prophezeiungen, mögen sie auch noch so negativ gewesen seien, hielten ihn nicht von seinem Vorhaben ab, seine Schuhmacherei in der Neuen Reihe aufzugeben und – „in der Nähe der See…“ – eine Pension zu errichten. Somit begann das Auf und Ab einer langen Familiengeschichte, die dennoch seit 1993 in 4. Generation erfolgreich fortgeschrieben wird.

Unternehmensgründung und Aufschwung

Aber der Reihe nach. Als 1904 die ersten Bauplätze am damaligen Bülowweg, der heutigen Ostseeallee, verkauft wurden, erhielt auch Max Rusch aufgrund seines Gebotes am 20. Dezember 1904 den Zuschlag. Es entstand die „Pension Rusch“ mit 24 Gästezimmern Restaurant und Café. Kurze Zeit danach wurde auch das Nachbargrundstück mit der im Jahre 1906 fertiggestellten Villa „Waidmannsruh“ hinzugekauft. 1909 entstand zwischen den beiden Häusern das Haus „Westphalia“ (später „Westfalia“).

Bediente sich Max Rusch beim Bau der Pension „Rusch“ und der Erweiterung der Villa „Waidmannsruh“ noch einheimischen Baumeistern, engagierte er für den Bau der „Westfalia“ einen der angesehensten und bekanntesten Privatarchitekten im damaligen Mecklenburg: dem Privatarchitekten Johann Busch aus Wismar. Eigentlich eher im Schulbau tätig, hat er doch mit zahlreichen Bauwerken an der Ostsee zur Gestaltung der Bäderarchitektur in Kühlungsborn und an der Ostseeküste beigetragen. Ein besonderes Beispiel ist das Hotel „Westfalia“, ist es doch über die Wirrungen der Zeit fast unverändert geblieben und steht deshalb auch auf der Denkmalliste.

Staatliche Willkür unterbricht die Familientradition

Das Anwesen blieb drei Generationen lang im Besitz der Familien Rusch, Kruse, Krause, konnte aber während der DDR-Zeit vor staatlichem Zugriff nicht geschützt werden. So wurde auch der Hotelbetrieb „Rusch- Westfalia“ 1953 Opfer der „Aktion Rose“, einer Enteignungswelle, der Hotels, Pensionen aber auch Busunternehmen an der gesamten mecklenburgischen und vorpommerschen Ostseeküste zum Opfer fielen.

Neuanfang 1993 und liebevolle Sanierung des Hotels

1993 aber, hat die Urenkelin von Max Rusch, Anneliese Görlich-Nissen, geb. Krause das inzwischen umbenannte FDGB-Ferienheim „Stranddorn“ von der Treuhand zurückerworben. Äußerlich nahezu unverändert und liebevoll saniert wird das Hotel unter dem alten Namen „Westfalia“ im Mai 1994 wieder eröffnet. ihr Sohn und Ururenkel von Max Rusch führt nunmehr in 5. Generation das Hotel „Westfalia“ im Ostseebad Kühlungsborn fort.

  • Hotel Westfalia um 1910
  • Hotel Westfalia in Kühlungsborn 1981
  • Hotel Westfalia in Kühlungsborn 1993
  • Hotel Westfalia Kühlungsborn